Deutsch wird Wirklichkeit - komm mit zum Schüleraustausch nach Leipzig
This time in german! Wie ist es, Deutsch außerhalb des Klassenzimmers zu sprechen, bei einer deutschen Familie zu wohnen und den Alltag an einem Gymnasium in Leipzig zu erleben? Der Austausch des Birkerød Gymnasiums mit der Friedrich-Schiller-Schule bietet Schülerinnen und Schülern im ersten Gymnasialjahr die Möglichkeit, die Sprache in der Praxis auszuprobieren und zugleich Erfahrungen, Beziehungen und kulturelle Erlebnisse mit nach Hause zu nehmen.
Eine Fremdsprache zu lernen bedeutet weit mehr als Grammatik, Vokabeln und die nächste Hausaufgabe. Sprache gewinnt erst dann wirklich an Bedeutung, wenn man erlebt, dass man sie nutzen kann, um andere Menschen zu verstehen und selbst verstanden zu werden. Das ist einer der Gedanken hinter der Austauschpartnerschaft des Birkerød Gymnasiums mit der Friedrich-Schiller-Schule in Leipzig. Die Zusammenarbeit wurde im vergangenen Jahr ins Leben gerufen, um Schülerinnen und Schülern im ersten Gymnasialjahr die Möglichkeit zu geben, den Deutschunterricht mit einer konkreten Begegnung mit der deutschen Sprache, dem Jugendleben und der Kultur zu verbinden.

Vom Klassenzimmer nach Leipzig. Im Frühjahr reisten sieben Schülerinnen und Schüler des ersten Gymnasialjahres vom Birkerød Gymnasium gemeinsam mit den Lehrern Enrico und Lotte nach Leipzig. Dort nahmen sie am Unterricht der deutschen Schule teil, machten Ausflüge und erkundeten die Stadt. Ein wesentlicher Teil des Austausches fand jedoch außerhalb des offiziellen Programms statt.
Die Schülerinnen und Schüler wohnten nämlich privat bei den deutschen Schülern und wurden so Teil ihres Alltags. Dadurch war Deutsch nicht mehr nur ein Unterrichtsfach. Plötzlich musste die Sprache am Esstisch, auf dem Schulweg und in Gesprächen mit neuen Freundinnen und Freunden verwendet werden. Gerade diese Form des sprachlichen Eintauchens hat einen besonderen Wert. Wenn die Schülerinnen und Schüler ihr Deutsch in authentischen Situationen einsetzen, trainieren sie nicht nur Wortschatz und Aussprache. Sie sammeln auch Erfahrungen darin, sich zu verständigen, selbst wenn ihnen vielleicht das passende Wort fehlt oder sie keinen perfekten Satz formulieren können.

Mit anderen Worten geht es auch darum, den Mut zu entwickeln, die Sprache zu benutzen, die man bereits beherrscht, und den eigenen Alltag mit neuen Augen zu sehen. Ein Austausch ist zugleich eine Begegnung der Kulturen. Wenn man bei einer Familie wohnt und den Unterricht an einer Schule in einem anderen Land besucht, entdeckt man Unterschiede und Gemeinsamkeiten, die anhand eines Lehrbuchs nur schwer zu erkennen sind.
Wie läuft ein gewöhnlicher Schultag ab? Worüber sprechen Jugendliche? Was isst die Familie am Abend? Und unterscheidet sich das Jugendleben in Leipzig eigentlich so sehr vom Jugendleben in Birkerød? Solche Erfahrungen sind ein wichtiger Bestandteil interkulturellen Lernens. Die Schülerinnen und Schüler erhalten die Möglichkeit, eine andere Kultur von innen kennenzulernen, und werden zugleich aufmerksamer für ihre eigene Kultur und ihren eigenen Alltag.

Der Austausch hat auch eine persönliche Dimension. Für manche ist es vielleicht das erste Mal, dass sie ohne ihre Familie verreisen und bei Menschen wohnen, die sie vorher nicht kannten. Das kann etwas Mut erfordern. Dafür bietet sich die Gelegenheit zu erleben, dass man sich in einer neuen Umgebung durchaus zurechtfinden, Beziehungen über Ländergrenzen hinweg aufbauen und mit ungewohnten Situationen umgehen kann.
Und nun kommt Leipzig nach Birkerød. Ein Austausch funktioniert in beide Richtungen. Deshalb ist jetzt das Birkerød Gymnasium an der Reihe, Gastgeber zu sein. Eine Gruppe von 20 Schülerinnen und Schülern der Friedrich-Schiller-Schule besucht das Birkerød Gymnasium. Dort werden sie unter anderem am Unterricht teilnehmen und den dänischen Schulalltag sowie das Jugendleben kennenlernen. Dieses Mal werden die deutschen Schülerinnen und Schüler selbst an ihrer mündlichen Sprachkompetenz im Englischen arbeiten.
Gemeinsam mit den dänischen Schülerinnen und Schülern werden sie außerdem unter anderem Kronborg und Helsingør, den Dyrehaven und Bellevue sowie Kopenhagen mit einer Kanalrundfahrt und einem Kinobesuch erleben. Einige der deutschen SchülerInnen wohnen bei den dänischen SchülerInnen, während die übrigen in Kopenhagen untergebracht sind. Damit wechseln die Rollen: Die dänischen Schülerinnen und Schüler, die sich zuvor in einem deutschen Alltag zurechtfinden mussten, werden nun zu Gastgebern und Kulturvermittlern.

Der Austausch zwischen Birkerød und Leipzig ist daher in erster Linie keine gewöhnliche Klassenfahrt. Er ist Teil der Arbeit daran, den Sprachunterricht anwendungsorientiert zu gestalten und die fachlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler außerhalb des Klassenzimmers einzusetzen. Für die Jugendlichen kann der Gewinn in größerer sprachlicher Sicherheit, kulturellem Verständnis und neuen Beziehungen liegen, aber auch in der Erfahrung, dass man sich auf etwas Neues einlassen kann, selbst wenn man sich vorher noch nicht ganz sicher fühlt.
Und vielleicht ist genau das einer der wichtigsten Aspekte eines Austauschs, vgl. den Deutschlehrer an der BG, Enrico Merker: „Man fährt weg, um sein Deutsch zu verbessern, kommt aber oft mit viel mehr als nur Sprache im Gepäck zurück“.
Text: Lotte Balslev Vest (red. Michael Kirkeby Salbo), Fotos: Enrico Merker og Lotte Balslev Vest, Deutsche Übersetzung und Korrektur Martin Løfwall